Ohrakupunktur
Das wohl bekannteste Mikrosystem befindet sich im Bereich unseres Ohres. Seit den 1950er Jahren wird diese Form der Akupunktur systematisch erforscht. Grundlage ist, dass sich Störungen im Körper auf definierte Zonen und Punkte am Ohr projizieren. Diese Punkte unterscheiden sich an ihrer Umgebung dadurch, dass sie druckschmerzhafter sind oder einen erniedrigten Hautwiderstand haben.
Unser Organismus ist immer an ein Gleichgewicht unserer Körperfunktionen interessiert, sodass durch die Nadelung die Autoregulationsmechanismen angesteuert werden, wodurch eine Normalisierung angestrebt wird. Eine wesentliche Voraussetzung für die Körperakupunktur ist somit, dass der Körper zur Selbstregulation fähig ist.
Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle, welche dieses Phänomen, welches schon aus der Antike schriftlich übermittelt wurde, beschreiben.
- Neuronale Hypthothese: Aus der Neurophysiologie ist bekannt, dass Nerven aus verschiedenen Körperregionen über eine Art Knotenpunkt miteinander verschaltet sind und so darüber Signale reflektorisch wechselseitig übermittelt werden. Über diese sog. viscerocutanen und cutoviszeralen (cutis = Haut, viscera = Eingeweide) Bahnen werden dann Störungen auf andere Bereich, in diesem Fall das Ohr projiziert. Gleichzeitig führt eine Stimulation des zugehörigen Ohrpunktes zu einer Reaktion des Organs bzw. der Körperregion. Dabei strebt unser Organismus immer eine Normalisierung der Körperfunktion an, sodass ein Ohrpunkt unabhängig von der Beschwerde genadelt wird. Es ist lediglich die Korrespondenz entscheidend ist (z.B. beim Darm Verstopfung und Durchfall).
- Energetische Hypothese: Aus der Atomphysik und der Chaostheorie hat sich das energetische Informationsmodell entwickelt. Neben den neuronalen und biochemischen Mechanismen werden über elektrische und elektromagnetische Prozesse Informationen im Organismus übertragen. So ist bekannt, dass Zellen in unterschiedlicher Weise Photonen (Lichtteilchen-Pakete, aus denen elektromagnetische Strahlung besteht) abstrahlen und zwischen Zellen und verschiedenen Gewebeschichten verschiedenen Spannungen liegen. Mit dem Setzen einer Akupunkturnadel werden diese Lichtteilchen in ihrer Ausrichtung verändert, was zu einer funktionellen Veränderung führt.
- Mikrosysteme: Aus der Chaostheorie hat sich zudem das Prinzip der Abbildung des Großen im Kleinen etabliert. In dieses Modell reiht sich auch das Konzept der Somatotopie ein, wie die eingangs beschriebenen Menschlein als Projektionssysteme. Somatotope sind selbstähnliche (= reflektorische) Abbildungen des Gesamtorganismus in Miniaturformat auf umschriebene Areale der Körperoberfläche, wie in diesem Fall das Ohr.
Zum Behandlungsablauf einer Ohrakupunktur gehört neben der ausführlichen Anamnese, das Auffinden der sensiblen den Beschwerdeort repräsentativen Punkte. Auch wenn die Punkte am Ohr kartografiert worden sind, ist dennoch jedes Ohr anatomisch individuell und so können auch die Punkte immer etwas anders liegen. Zudem kann es immer auch sein, dass die Ursache für die Beschwerden eine ganz andere Ursache haben und am Ende die zu behandelnden Punkte an anderer Lokalisation gefunden werden.
Um diesem Umstand gerecht zu werden, nutze ich drei Methoden:
- Mittels eines Kugelstopfers aus der Zahnheilkunde detektiere ich druckdolente Punkte und appliziere unmittelbar die Nadel. Hier ist Teamarbeit gefragt, denn Ihr Körper hilft uns, die richtigen Punkte zu treffen.
- Mit Hilfe eines elektrischen Punktsuchgerätes suche ich in der Beschwerdezone die zu nadelnden Punkte auf. Hier spielt neben der Druckschmerzhaftigkeit der herabgesetzte Hautwiderstand eine Rolle. Über die Signalstärke kann ich Millimeter genau die Punkte detektieren.
- Mit einem 3-Volt-Hämmerchen unter dem gleichzeitigen Tasten des Radialispulses am Handgelenk kann ich den aurikulokardialen Reflex ertasten. Diese Methode ist mitunter noch sicherer als das Punktsuchgerät gerade bei sehr versteckt liegenden Punkten. Zudem kann man darüber Störherde diagnostizieren.
- Die Auswahl der Methode ist immer abhängig von Ihrem Beschwerdebild.
Es gibt einige wenige Kontraindikationen bei der Ohrakupunktur:
Absolute Kontraindikationen:
- lebensbedrohliche Erkrankungen
- Schmerzsyndrome mit Operationsindikationen
- schwere Infektionskrankheiten
- Entzündungen im Punktionsareal
Relative Kontraindikationen:
- Schmerzzustände, die keiner orientierenden Diagnose zugeordnet werden können
- ausgeprägte Schwäche- bzw. Erschöpfiungszustände
- übermäßige Schmerzhaftigkeit einzelner Akupunkturpunkte
- übermäßige Schmerzhaftigkeit einzelner Akupunkturpunkte
- Schwangerschaft
- Einnahme bestimmter Medikamente vor der Behandlung, u.a. Beruhigungsmittel, Opiate, Neuroleptika